Bevor E-Learning und Social Software als Schnittstelle in der Ausbildung implementiert werden kann, um Kommunikations- und Lernprozesse zwischen Lernenden, Lehrenden und allen weiteren beteiligten Akteuren nachhaltig zu fördern und zu verbessern, müssen zunächst einmal unterschiedliche Probleme und Barrieren beleuchtet werden. Sowohl Lehrende als auch alle weiteren Akteure sind von den Potenzialen, dem Mehrwert und der sich daraus ergebenen Notwendigkeit von E-Learning in der Ausbildung zu überzeugen.

Andrée Roy (2010) untersuchte in seiner Studie wie ein erfolgreicher Übergang von herkömmlichen Schulungen zu E-Learning in kleinen und mittleren Unternehmen hergestellt werden kann. In seiner Studie erkannte er einige grundlegende in den Betrieben Probleme und Barrieren, die einen erfolgreichen Übergang zum E-Learning erschweren. Ein großes Problem ist die unzureichende Ausstattung der Unternehmen mit den benötigten medialen Ressourcen und der Lernenden zu Hause. Wie bereits schon in meinem Beitrag über die Studie von Leino und Tanhua-Piiroinen erwähnt sind unterschiedlichen Kenntnisse im Umgang mit Medien und geringe Medienkompetenz ein großes Problem. Ebenfalls müssen den Lernenden der Mehrwert Nutzen über die zu lernenden Inhalte plausibel nahegelegt werden. Die Hauptprobleme, um E-Learning erfolgreich in Ausbildungsprozesse integrieren zu können, liegen laut Roys Erkenntnissen aus seiner Studie an einem Mangel an:

  • Zugang zu Computern und Internet
  • Schulung und Unterstützung für alle Beteiligten
  • Wissen über die Lerninhalte und –ziele die relevant für die Ausbildung sind
  • Wissen was E-Learning bedeutet für:
          • Interaktionsebene
          • entstehende Kosten zur Beschaffung und Entwicklung von E-Learning
          • die Lernenden selber
          • den Wandel der Lernkultur vom traditionellen Lernen zum E-Learning

Zur Beseitigung der Mängel ist es daher sinnvoll alle Beteiligten in den Veränderungs– und Beratungsprozess mit einzubeziehen, um Bedarfe aufzudecken, Mängel zu beseitigen und E-Learning erfolgreich in Ausbildungsprozesse zu integrieren, indem:

  • E-Learning als eigenständige und nützliche Lernkultur anerkannt wird
  • E-Learning effektiv und effizient nutzen zu können durch Förderung der Medienkompetenz

Literatur

Roy, A. (2010). SMEs: How to Make a Successful Transition From Conventional Training Towards e-Learning. International Journal of Advanced Corporate Learning (iJAC), 3(2), 21–27. URL: http://editlib.org/p/45700 [20.12.2013]

Mit E-Learning einen Wandel in der Ausbildung schaffen
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3 Gedanken zu „Mit E-Learning einen Wandel in der Ausbildung schaffen

  • 5. Januar 2014 um 11:41
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    Mobiles Lernen als Teil von E-Learning.
    Die in der Studie von Roy (2010) angeführten Probleme wie die unzureichende Ausstattung der Unternehmen mit den benötigten medialen Ressourcen könnten durch den Einsatz von mobilem Lernen mit den persönlichen Mobilen Endgeräten überbrückt werden.
    Mobile Endgeräte können in der beruflichen Weiterbildung und generell beim lebenslangen Lernen unterstützen, um über die neuesten Entwicklungen im Berufsfeld informiert zu sein und das eigene Wissen aktuell zu halten.
    Auf der Plattform des österreichischen Unterrichtsministeriums – virtuelle Schule – wird mobiles Lernen beschrieben als an jedem beliebigen Ort mit verschiedenen tragbaren Endgeräten unterstütztes bedarfs- und problemorientiertes Lernen, das ermöglicht wird durch die Erfassung und Auswertung von Umgebungsinformationen und dem Zugang zum Internet.
    Auf der Seite von E-Teaching.org werden die Vorteile von Mobilem Lernen beschrieben und mit einer kleinen Zeichnung illustriert.

    Aus methodisch-didaktischer Sicht stellen sie die vier folgenden Eigenschaften in den Vordergrund:
    Effizienz – wegen des ubiquitär möglichen Lernens unabhängig von traditionellen Lernorten auch z.B. bei Warte- oder Transportzeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln.
    Personal Sphere – Lernen findet in der persönlichen Lernumgebung des Nutzers statt, dadurch können die Lernenden den Abruf von Informationen bedarfs- und problemorientiert selbst steuern.
    Verbindung – durch die Möglichkeit der ständigen Verbindung mit Informations- und Kommunikationsnetzwerken können Gruppenarbeiten und die Zusammenarbeit zwischen Lernenden und Lehrenden flexibler gestaltet werden.
    Kontextsensitivität: M-Learning ermöglicht die Erfassung und Auswertung von Umgebungsinformationen, z.B. bei Forschungsarbeiten, im Labor oder im Museum. So lassen sich die lerntheoretischen Forderungen des situierten Lernens erfüllen.
    Als mögliche Nachteile wird unter anderem genannt, dass die ständige Verfügbarkeit von Information auch als Belastung empfunden werden kann, wenn sie als Zwang interpretiert wird, ständig kommunizieren oder recherchieren zu müssen.
    Weiteres kann das ubiquitäre Lernen durch die fehlende Lernumgebung auch besonders leicht störungsanfällig sein.
    Bohannon (2010) erforscht die Bedeutung des informellen mobilen Lernens für das lebenslange Lernen. Nachdem er verschiedene Sichtweisen von Mobilem Lernen und informellem Lernen sondiert hat, beschreibt er mögliche Zusammenhänge von Lebenslangem Lernen und mobiler Technologie und verweist auf Studien über Umsetzungsbeispiele unter anderem auch in nicht typischen Lernszenarien wie Museum und Ökotourismus. Er kommt zum Schluss, dass die mobilen Technologien einen großen Einfluss auf das Lernen haben werden.
    Lebenslanges Lernen wird auch vom ihm als entscheidend betrachtet sowohl für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit als auch für die persönliche Entwicklung und um in einem zunehmend technischen Umfeld funktionieren zu können.
    Es gibt bereits Praxisbeispiele wie das Projekt „Virtuelles Lernen auf der Baustelle“, die ungewohnte Weiterbildungsmaßnahme mit mobilen Endgeräten direkt vor Ort – in diesem Fall auf die Baustellen brachte. Die Qualifizierung zur Fachkraft für ökologische und klimagerechte Altbausanierung stützte sich auf ein Blended Learning-Konzept, das auch mobiles Lernen integrierte. Dieses Weiterbildungsprojekt wurde gemeinsam von Betrieben und universitären Einrichtungen umgesetzt und zeigt, das mobiles Lernen eine effiziente Erweiterung für das E-Learning darstellen kann. Grantz, T., Schulte, S. & Spöttl, G. (2008) haben das Konzept des virtuellen Lernens eingeführt und beschrieben als ein Lernen, dass
    „a) im Sinne des E-Learnings auf elektronische/digitale Medien zurückgreift,
    b) nach dem Verständnis des Blended Learnings verschiedene Lernorte einbezieht,
    c) eine „mobile“ z.B. durch die Verwendung mobiler Endgeräte) enthält.“ (Grantz, T., Schulte, S. & Spöttl, G. 2008, S. 5)
    Mobiles Lernen ist in diesem Sinne in Kombination mit E-Learning zu sehen.

    Verwendete Literatur:
    Bohannon, R. (2010). Wherever You Are: There You Can Learn; Mobile Devices for Informal and Lifelong Learning. In Z. Abas et al. (Hrsg.). Proceedings of Global Learn 2010. 2032-2037. URL: http://www.editlib.org.ub-proxy.fernuni-hagen.de/p/34392. [2.1.2014]
    Grantz, T., Schulte, S. & Spöttl, G. (2008) Lernen auf der Baustelle. In: Medien in der beruflichen Bildung – Mit Web 2.0, ERP & Co. zu neuen Lernwelten? URL: http://www.bwpat.de/ausgabe15/grantz_etal_bwpat15.pdf. [4.1.2014]
    URL: http://virtuelleschule.bmukk.gv.at/gegenstaende/mobiles-lernen/. [4.1.2014]
    URL: http://www.e-teaching.org/didaktik/gestaltung/mobilitaet. [4.1.2014]

    Antworten
  • 5. Januar 2014 um 16:41
    Permalink

    Hallo Simone,

    dein Beitrag hat mir verdeutlicht, dass die Einführung von E-Learning in Unternehmen mit vielen Problemen verbunden ist. Die von Andrée Roy (2010) angeführten kritischen Punkte bei der Einführung von e-Learning in Betrieben finde ich einleuchtend und selbsterklärend. Meiner Meinung nach sind die gerade bei älteren Mitarbeitern fehlende Medienkompetenz und die mangelhafte Vorstellung über die Lehr- und Lernziele des e-Learning die Hauptaspekte, die zur Beeinträchtigung der Akzeptanz des e-Learning im betrieblichen Umfeld führen können.

    Dies fand in einer in Korea durchgeführten Studie seine Bestätigung. Dort wurde zwar zwischen 2000 und 2005 ein großes Interesse an E-Learning in Betrieben verzeichnet, jedoch führte die im Internet reichhaltig angebotene Ausbildungssoftware zu einem Herabsinken der Qualität. Zudem war die Verbesserung der Qualifikation der Mitarbeiter nicht das Hauptanliegen der Regierung, sondern die Bestrebung, den Wandel zu einer Informationsgesellschaft durchzuziehen.

    Die Studie kommt zur Schlussfolgerung, dass die staatliche Förderung für die Einführung des E-Learning in (großen) Betrieben wichtig und hilfreich sein kann, die Lernziele des Unternehmens jedoch die oberste Priorität haben.

    Beste Grüße

    Olena

    Lim, C. (2007). The Current Status and Future Prospects of Corporate e-Learning in Korea. International Review of Research in Open and Distance Learning, 8 (1). http://www.editlib.org.ub-proxy.fernuni-hagen. de/p/49615 [02.01.2013].

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  • 6. Januar 2014 um 12:14
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    Hallo Simone,

    ich habe einen interessanten Artikel zu den Erfolgsfaktoren für E-Learning gefunden.

    Paulsen (2011) geht mit seinem Artikel „Successful E-Learning in Small and Medium-sized Enterprises“ auf diese Thematik ein.
    Die Resultate beziehen sich hierbei auf das Projekt European ELQ-SME.
    E-Learning wurde bisher primär nur angewendet, wenn eine hohe Anzahl an Lernern involviert ist. Ein einfacher Grund hierfür ist, das zunächst hoch erscheinende Investment für ein E-Learning Programm. Daher ist es auch notwendig eine hohe Anzahl an Lernern zu integrieren. Resultierend daraus wurde E-Learning zunächst nur in großen Unternehmen ausgerollt, da sich hier aufgrund der hohen Anzahl der Mitarbeiter eine Einführung und das damit verbundene Investment lohnte. (Paulsen, 2011, S. 1)

    Um eine Einführung auch in kleineren und mittleren Unternehmen zu realisieren, nennt Paulsen sieben Indikatoren für Vorteile von E-Learning:
    – Verbesserte Flexibilität in Zeit und Ort
    – Verringerung der Reisekosten, Unterkunftskosten und Seminarkosten
    – Schnellere und günstigere Verteilung von Lernmaterialien
    – Schnellere Einführung von neuen Produkten begründet auf der schnelleren Trainingsmöglichkeit vieler Mitarbeiter
    – Erhöhte Verkaufszahlen aufgrund der Annahme der Kunden, dass E-Learning ein Zeichen von hoher Kompetenz und Mehrwert für die Produkte darstellt
    – Verbesserte Beziehungen zu Kunden und Dienstleistern
    – Positive organisationale Effekte
    (Paulsen, 2011, S. 1)

    Weiter nennt Paulsen (2011) Kennzeichen für die Qualität von E-Learning- Programmen:
    – Glaubwürdigkeit der Institution der E-Learning-Angebote
    – Qualitätsmanagement-System
    – Information und Begleitung im Ausroll-Prozess
    – Kosten für Kurse
    – Unterstützung des E-Learners
    – Individuelle Präferenzen
    (Paulsen, 2011, S. 8)

    Abschließend kommt Paulsen (2011) zu dem Schluss das folgende Faktoren zentral sind für eine erfolgreiche Einführung von E-Learning-Systemen:
    – Abschluss-Raten
    – Unterstützung des Managements
    – Motivation
    – Zertifizierung
    – Verpflichtende Kurse
    – Design des Inhalts und des Kurses
    – Blended-Learning
    (Paulsen, 2011, S. 9)

    Quelle:
    Paulsen, Morten Flate (2011). Successful E-Learning in Small and Medium-Sized Enterprises. European Journal of Open, Distance and E-Learning Volume 1, 2011.

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